Anna Ruchat ist eine der bekanntesten Tessiner Übersetzerinnen und Autorinnen der Gegenwart. Seit über dreissig Jahren übersetzt sie aus dem Deutschen ins Italienische. Zum Schreiben kam sie erst später. Nach Lyrik und Erzählbänden ist 2023 mit “Spettri Familiari” (Ibis Edizioni) ihr erster Roman erschienen. Seit Kurzem ist er unter dem Titel “Vertraute Gespenster”, übersetzt von Barbara Sauser, auf Deutsch zugänglich.
Der Roman handelt von Teresa, die aus dem Veltlin nach Zürich kommt, um bei einer wohlhabenden Familie als Kindermädchen zu arbeiten. Sie soll sich um die beiden Kinder des Psychiaters Bruno und der Archäologin Maria kümmern. Aus erster Ehe hat Maria eine Tochter, Esther, die ein paar Jahre älter ist als Teresa, und nicht mehr zu Hause wohnt. Über dem Familienleben und der angespannten Beziehung zu Esther schwebt ein kaum greifbarer Verdacht, der dem Kindermädchen zu schaffen macht.
Aus verschiedenen Perspektiven erzählt, enthüllt Anna Ruchat nach und nach ein toxisches Familiengefüge, das von seiner Vergangenheit heimgesucht wird.
Wir werden mit Anna Ruchat über das Übersetzen und die Entstehung dieses neusten Romans sprechen, in welchem sie in glasklarer Sprache das Unaussprechliche beschwört.
Anna Ruchat, 1959 in Zürich geboren, im Tessin und in Rom aufgewachsen, studierte Philosophie und deutsche Literatur in Pavia und Zürich. Langjährige Tätigkeit als Übersetzerin u. a. von Thomas Bernhard, Paul Celan, Nelly Sachs, Friedrich Dürrenmatt, Viktor Klemperer, Mariella Mehr. Für ihr Erzähldebut «Die beiden Türen der Welt» erhielt sie den Publikumspreis Premio Chiara und den Schillerpreis. 2019 wurde sie mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Seit 2000 unterrichtete sie das Übersetzten zuerst an der Europäischen Übersetzerschule in Mailand und seit 2022 für die Fondazione Unicampus San Pellegrino in Rimini. Ruchat lebt in Riva San Vitale.